Allgemeinarzt W. Packi hat eine außerordentlich effektive Methode, Schmerzen der verschiedensten Art zu behandeln. „Bandscheibenoperationen sind in der Regel nicht notwendig“, sagt er. In Bad Krozingen hat der langjährig tätige Arzt seine eigene „Klinik für Biokinematik“, die fast an ein Wellness-Hotel erinnert. Während wir in einen wunderschönen Garten blicken, erzählt Dr. Packi von seiner Arbeit.

newsage: Herr Dr. Packi, wie kam es, dass Sie sich mit dem Thema Schmerz so eingehend befasst haben?
Dr. Packi: Ich fand keine erprobten Methoden in der Schulmedizin, die Schmerzen wirklich beheben konnten. So beschäftigte ich mich nach meinem Studium erneut mit der Anatomie und machte ganz neue Entdeckungen. Mir wurde klar, dass die Knochen, die in der Anatomie immer besondere Beachtung finden, gar nicht diese große Rolle spielen, da sie relativ statisch sind und sich nicht so schnell verändern können wie ein Muskel. Anstatt dessen erkannte ich den großen Stellenwert der Muskulatur beim Menschen, welche ganz einfach und oft innerhalb von Minuten verändert werden kann. Schmerzen kommen immer von der Muskulatur und liegen in falschen Bewegungsmustern begründet. Zu einer Bewegung gehören immer zwei Muskeln. Wird der Bizepsmuskel angespannt, also verkürzt, muss der Gegenspieler, der Trizeps, auf der Rückseite durch Verlängerung nachgeben. Der Schmerz tritt im aktiven, bewusst spür- und steuerbaren Muskel auf. Die Behandlung erfolgt aber am Gegenspieler. Dort liegt die Ursache für den Schmerz. Manchmal genügt ein einziger Fingerdruck, um Schmerzen eines Muskels zum Verschwinden zu bringen. Patienten mit lang anhaltenden Schmerzen sind auf einmal wieder schmerzfrei und natürlich sehr erleichtert.


Ein Übungsraum der Klinik


Übung bei Rückenproblemen


Training der Halsmuskeln mit Latexband

newsage: Zu Ihnen kommen viele Patienten mit Bandscheiben-, Knie- und Kreuzbeschwerden.
Dr. Packi: Ja, aber zu mir kommen auch Patienten mit ganz anderen schmerzhaften Beschwerden. So behandele ich beispielsweise auch Asthma, Magenprobleme, Inkontinenz u.a. Das Problem der Inkontinenz kann ich im allgemeinen in wenigen Minuten beheben. Die ganzen Operationen sind überwiegend vermeidbar. Mir ist es immer noch unerklärlich, warum die Krankenkassen meine einfache und funktionierende – denn darüber gibt es inzwischen unzählige Dokumentationen – Behandlung nicht bezahlen. Stattdessen wird der komplizierte Weg einer Operation gegangen. Dabei muss man den Schmerz nur richtig verstehen. Wenn etwas weh tut, dann ist das eine gesunde Reaktion. Tatsächlich ist es der gesunde Teil des Körpers, der Schmerzen aufweist. Wenn Sie mir sagen: „Mein Knie tut von innen heraus weh“, dann weiß ich, das Knie ist der beste Teil Ihres Körpers. Da ist eventuell der Fuß, der Oberschenkel oder die Hüfte Schuld. Aber es ist völlig falsch, das Knie zu operieren.

newsage: Wie sieht eine Behandlung bei Ihnen aus?
Dr. Packi: Ich behandle die Muskeln an bestimmten Stellen mit Fingerdruck, nach 2-3 Minuten ist das Ganze meist erledigt. Bei Kreuzproblemen etwa ist die Beweglichkeit dann wiederhergestellt. Manchmal passiert zuerst auch gar nichts, doch dann geht‘s los: Emotionen können sich ganz vehement lösen. Leute, die ihr Leben nicht geweint haben, weinen plötzlich. Das hilft immer. Erleichterung tritt ein, Aufatmen. Teilweise muss man auch mit einer Spritze arbeiten, wenn die betroffene Stelle unter einem Knochen liegt oder viel Fettgewebe da ist.

newsage: Was bewirkt der Fingerdruck?
Dr. Packi: Der Muskel hat eine bestimmte innere geometrische Struktur und daraus entstehen spezielle Bewegungsbahnen. Um einen schmerzenden Muskel zu behandeln, muss ich einen neuen Bewegungsrichtungsreiz ausüben, damit sich die zu Schmerzen führenden Bewegungsabläufe harmonisieren. Generell darf nicht in Richtung Muskelverkürzung gearbeitet werden; Länge ist das Entscheidende.

newsage: Wie wird der Reiz weitergeleitet? Durch Nerven?
Dr. Packi: Nein. Die schnellsten Nervenfasern haben eine Überleitungszeit von 100 Metern pro Sekunde. All diese Funktionen des Denkens und Verarbeitens von gleichzeitigen Eindrücken, die so schnell erfolgen, dass wir sie gar nicht wahrnehmen, kann das langsame Nervengewebe überhaupt nicht bewerkstelligen. Das Bindegewebe hingegen kann Impulse in Lichtgeschwindigkeit weiterleiten. Meines Erachtens nach ist das Bindegewebe der Chef im Körper. 60 bis 80 Prozent – die Angaben variieren da noch – des Körpergewebes sind Bindegewebe. Der Rest, vielleicht 30 Prozent, ist Nervengewebe. Und auf diese 30 Prozent stürzt sich die gesamte Anatomie und zieht daraus ihre Schlüsse. newsage: Hat Ihre Methode etwas mit der Akupressur gemeinsam? Dr. Packi: Zum Teil gibt es Gemeinsamkeiten. Aber es ist schon ein anderes Prinzip, eine andere Theorie dahinter.

newsage: Sie behandeln auch Migräne. Was ist da das Problem?
Dr. Packi: Da sind im Prinzip auch die Muskeln das Problem. Muskeln im vorderen Halsbereich, die zu schwach ausgebildet sind, da wir vom vielen Sitzen eine schlechte Haltung haben: die Schultern hängen nach vorne und der Kopf bewegt sich mehr und mehr Richtung Nacken. Hier lasse ich die Patienten spezielle Übungen machen, die regelmäßig wiederholt werden müssen.

newsage: Spielen auch Hormone eine Rolle bei Migräne?
Dr. Packi: Schmerz kommt immer vom Muskel. Das ist mein Hauptaugenmerk. Die Übungen gegen Migräne und andere Kopfschmerzen werden mit einem Latexband gemacht, das zwischen Kopf und einer festen Stelle (an der Wand) gespannt ist. Die Migräne verschwindet, wenn man die unterentwickelten Muskeln genügend trainiert hat.

newsage: Was muss man bei den Übungen beachten?
Dr. Packi: Sie müssen ein Bewusstsein bekommen für den Unterschied zwischen Krafttraining, Dehnen und Bewegung. Die Bewegungsabläufe sind am wichtigsten. Wie viel Kraft jemand aufbringt, ist dagegen völlig egal. Und Dehnen ist zwecklos, da der Muskel da gar nicht involviert ist. Zudem müssen die Übungen in den Alltag integriert werden, damit die alten Gewohnheiten nicht wieder zu Beschwerden führen.

newsage: Was machen Sie bei einem Asthma- Patienten?
Dr. Packi: Asthma ist auch die Folge einer Haltung, bei der der Kopf nicht aufrecht ist, sondern immer mehr in den Nacken gelegt wird. Asthma zu korrigieren ist eine Sache von nur 15 bis 20 Minuten. Man muss einmal die Wirbelsäule behandeln, am Hals, und dann werden noch Übungen für die Wirbelsäule verordnet.

newsage: Sie behandeln sogar Zahnfehlstellungen.
Dr. Packi: Ja. Auch da werden bestimmte Muskeln am Hals trainiert. Zahnspangen sind sehr schlecht. Sie verändern den ganzen Kiefer und das wirkt sich auf die gesamte Halsmuskulatur aus. Dabei ist der Übergangsbereich vom Hals zum Kopf eine ganz sensible Stelle. Auch ich habe dort nicht die gleichen guten Erfolge wie bei Bandscheibenproblemen etwa. Wenn da etwas ausgerenkt ist, dann ist man im sprichwörtlichen Sinne „neben der Kappe“.


Ein mit Zement gefülltes Kissen dient zum Training spezieller Muskelpartien


Auch junge Patienten profitieren von Dr. Packis Behandlung


Das Interview führte Gina Janosch

newsage: Interessiert Sie auch, warum bestimmte Schmerzen auftreten? Angst beispielsweise kann ja auch zu Verspannungen führen.
Dr. Packi: Angst ist auch ein körperlicher Faktor, ja. Angst zeigt sich auch in einzelnen Behandlungen. Ich behandle einen bestimmten Punkt und spüre, dass der Patient Angst hat. Die wird dann freigesetzt.

newsage: Würden Sie sagen, dass Angst Schmerz ist?
Dr. Packi: Nein, würde ich nicht. Schmerz ist für mich ein muskuläres Problem. Es gibt ja berechtigte Angst, vor einem wilden Tier etwa. Die verschwindet sobald die Gefahr nicht mehr da ist. Und dann gibt es eine Angst, die ohne Substrat entsteht, plötzlich aus dem Nichts auftaucht. Solche Angst sitzt besonders im Hals, im Thorax und in der Lendenwirbelsäule. Diese Angst kann ich bei der Therapie lösen. Die Leute glauben meist gar nicht, dass auch Angst behandelbar ist.

newsage: Welchen Sport empfehlen Sie?
Dr. Packi: Was ich auf jeden Fall nicht empfehle, gerade mit Knie- oder Kreuzproblemen, ist Fahrradfahren. Die Muskeln, die bei unserer sitzenden Lebensweise sowieso schon ständig beansprucht werden, werden beim Fahrradfahren auch wieder benutzt. Eine gewissermaßen entgegengesetzte Bewegung ist hier viel hilfreicher. Deswegen habe ich mir eine einfache Übung ausgedacht, wo der Patient sich rücklings über einen Baumstamm legt. Der Körper macht einen großen Bogen, der Kopf wird etwas zur Brust gezogen. Damit werden ganz andere Muskeln bewegt. Diese Übung kann man jederzeit auch selber machen. Sonst ist Gehen und Laufen in allen Variationen die Sportart, die ich empfehle.

newsage: Was bedeutet eigentlich Kinematik?
Dr. Packi: Kinematik ist die Lehre der Bewegungen ohne Einfluss von Kraft. Kraft spielt für mich keine große Rolle. Was mich interessiert, ist Bewegung. Der Kraft wird viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Alles ist in ständiger Bewegung. Selbst die Knochen bleiben nicht gleich. Sie brauchen aber viel länger, um sich zu erneuern. Sie können auch gar nicht verschleißen. Nach 10 Tagen sind die Knochen erneuert, die Zellen bewerkstelligen das. Ihr Körper ist im Prinzip ein Vierteljahr alt.

newsage: Warum altert man dann eigentlich?
Dr. Packi: Das ist eine gute Frage… (lacht)

Der Fotograf begrüßt uns und geht hinaus, um einige Außenaufnahmen zu machen. Herr Dr. Packi sagt zu mir: „Der hat’s mit dem Ellbogen“. Ich habe nur einen Verband um das Handgelenk gesehen und bin später erstaunt, als der Fotograf von seinen Beschwerden erzählt. Er kann seinen Ellbogen nicht mehr ganz durchdrücken. Herr Packi beginnt sofort, den Arm abzutasten und drückt dann einen Punkt neben der Ellbogenbeuge. „Das ist schon eine Art Begabung“, sage ich. „Nein, das ist Routine“, erwidert Herr Packi. „Ich habe inzwischen circa 30.000 Patienten behandelt, da bekommt man Routine. Bei den meisten Patienten weiß ich schon, was sie haben, wenn ich sie ansehe.“

Weitere Informationen:
www.biokinematik.de

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Kategorie: Ernährung & Gesundheit | 7 Kommentare
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